Krankenhausbudget prospektiv verhandeln: Was Sie beachten sollten

Krankenhausbudgets sollten prospektiv, also vorausschauend, verhandelt werden. Allerdings hat sich über die Jahre eine Verzögerung eingeschlichen, so dass in den meisten Häusern retrospektiv verhandelt wird. Eine neue Regelung zwingt die Kliniken nun, schrittweise zur Prospektivität zurückzukehren. Welche Herausforderungen damit verbunden sind und wie sie gemeistert werden können.
Auswirkungen von Retrospektivität und Prospektivität
Die neuen Regelungen zur Prospektivität

Herausforderungen bei prospektiven Verhandlungen
Die größte Herausforderung beim Übergang zu prospektiven Budgetverhandlungen ist die Unsicherheit über die Zukunft. Denn bei bereits bekannten Ganzjahresdaten ist auch die Forderung bei manchen Themen unstrittig.
Leistungsplanung
Werden bei den jährlichen Budgetverhandlungen mit den Krankenkassen Mehrleistungen gegenüber dem Vorjahr vereinbart, wird der Fixkostendegressionsabschlag (FDA) fällig. Das bedeutet, die Vergütung der zusätzlichen Leistungen wird um bis zu 35 Prozent gekürzt. Das Krankenhaus sollte eine realistische Leistungsmenge für das Folgejahr schätzen, aber nicht zu viele DRG-Punkte vereinbaren, um keinen zu hohen FDA zu zahlen. Einen zu hoch vereinbarten FDA erhält man auch dann nicht zurück, wenn die Leistungen unter den Erwartungen zurückbleiben. Werden andererseits zu niedrige Leistungsmengen geschätzt und anschließend mehr Leistungen erbracht, als im Budget vereinbart, muss die Klinik einen Mehrerlösausgleich von 65 Prozent dieses mehr erlösten Geldes an die Kostenträger zurückzahlen. All diese Überlegungen sind einfacher, wenn die Leistungsdaten für das vergangene Jahr schon bekannt sind – also retrospektiv verhandelt wird. Bei einer prospektiven Verhandlung sind daher gut ausgearbeitete Strategien nötig, welche die Zahlen auch mit der Medizinstrategie des Hauses, der generellen Leistungsentwicklung, Veränderungen im DRG-Katalog und unzähligen weiteren Aspekten in Verbindung bringen.
Pflegebudget
Die prospektive Verhandlung des Pflegebudgets bringt weitere Herausforderungen mit sich. So ist es in manchen Jahren schlichtweg unmöglich, im Vorfeld zu sagen, wie hoch die Tariferhöhung für Pflegekräfte im kommenden Jahr ausfallen wird. Beispielsweise gab es im Jahr 2022 im Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst (TVöD) auch eine Erhöhung der Pflegezulage von 70 Euro auf 120 Euro sowie stark erhöhte Zulagen für Samstagsarbeit, wodurch die tatsächliche Tariferhöhung für viele Pflegekräfte deutlich stärker ausfiel als die generell kommunizierten 1,8 Prozent. Das macht es umso wichtiger, eine an mehreren Punkten gut ausgearbeitete Verhandlungsstrategie zu entwickeln: Die Forderung muss hoch genug sein, um alle Eventualitäten zu berücksichtigen, die sich im nächsten Jahr ergeben könnten und man wird vermutlich jede Änderung zum Vorjahr genau begründen müssen.
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Auswirkung der Krankenhausreform auf die Verhandlungen
Zwar sind die Details der Krankenhausreform noch lange nicht final, doch mit hoher Wahrscheinlichkeit wird sich vieles verändern. Die größte Veränderung mit Bezug zu den Budgetverhandlungen wird vermutlich die Einführung von Vorhalte-Bewertungsrelationen haben, wodurch nur noch ein Teil der erbrachten Leistungen des Hauses relevant in der Budgetverhandlung wäre. Denn künftig sollen 60 Prozent der Betriebskosten durch Vorhaltepauschalen und nur noch 40 Prozent über Fallpauschalen (DRGs) abgerechnet werden. Wie so oft, wenn sich Regelungen verändern, wird dies die Budgetverhandlungen jedoch sicherlich nicht vereinfachen, sondern eher noch weiter verkomplizieren. Schon jetzt gibt es Überlegungen, ob die Planfallzahlen bei der neuen Krankenhausplanung Auswirkungen auf den FDA haben sollten oder nicht. Und gerade solche Unsicherheiten werden in den nächsten Jahren sicherlich noch stark zunehmen, was es umso wichtiger macht, für die jährlichen Budgetverhandlungen auf Spezialistenwissen zurückzugreifen, um gute Ergebnisse zu erzielen
Gute Vorbereitung wird noch wichtiger
Die Rückkehr zu prospektiven Budgetverhandlungen bringt nicht wenige Herausforderungen für Kliniken mit sich. Doch hat sie den entscheidenden Vorteil, dass Zahlungen schneller fließen und die Planungssicherheit steigt. Umso wichtiger ist es, dass die Budgetverhandlungen gut vorbereitet und geführt werden. Denn schlechte Verhandlungsergebnisse werden ein Haus bis zur nächsten Verhandlung verfolgen, die erst ein Jahr später stattfindet. Und so kann die Freude über schnelles Geld plötzlich in große Sorgen umschlagen.

Franziska Büchold
Leitung Budgetverhandlungen
Nach Berufsausbildung und Studium war sie bei einer der größten gesetzlichen Krankenkassen im Bereich der Budgetverhandlungen und später in der Unternehmensentwicklung tätig. Im Anschluss wechselte sie zu einem privaten Krankenhausträger und führte dort regionsübergreifend die Budgetverhandlungen, gefolgt von der Position als Leitung Stabstelle Verhandlungsmanagement in einem großen katholischen Krankenhausverbund.