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09.2023

Wirtschaftlichkeit von Kranken­häusern: So bringen Sie Ihre Medizinstrategie zum Fliegen

5 Potenziale, um die Wirtschaftlichkeit im Krankenhaus zu steigern

Um die Wirtschaftlichkeit im Krankenhaus zu sichern, greifen viele Klinikgeschäftsführer in ihrer Krankenhausstrategie tief in die Trickkiste. Dabei schlummern die größten Potenziale oftmals ungenutzt unter dem eigenen Dach. Wir haben fünf strategische Potenziale für Ihre Medizinstrategie identifiziert, mit denen Sie die Wirtschaftlichkeit im Krankenhaus verbessern können.

Digitalisierung, Fachkräftemangel, demographischer Wandel und ständig zunehmende Anforderungen im Gesundheitswesen: Krankenhäuser sehen sich heute mit einer Vielzahl von Herausforderungen konfrontiert. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, sind die Häuser gefordert, sich mit strategischer Weitsicht auf die kommenden Veränderungen einzustellen. Eine fundierte Medizinstrategie ist aber nicht nur in unwägbaren Zeiten ein sinnvolles Instrument, um sich für die Zukunft zu rüsten. Denn schon heute verfügt auch Ihr Krankenhaus über versteckte Potenziale, die höchstrelevant für Ihre strategische Ausrichtung und Ihre künftige Erlössicherung sein können.

Potenzial 1

Nutzen Sie die Chancen der Ambulantisierung, um die Krankenhaus-Wirtschaftlichkeit zu verbessern

Die Verlagerung von Leistungen in den ambulanten Sektor ist eine der größten Herausforderungen, um die langfristige Wirtschaftlichkeit Ihres Krankenhauses sicherzustellen. Immer mehr Leistungen werden schon heute ambulant erbracht, und die Anforderungen an Qualität und Effizienz der ambulanten Versorgung steigen. Wenn Sie sich dieser Herausforderung stellen und Ihre ambulanten Angebote ausbauen, bietet sich Ihnen eine doppelte Chance: Sie können neue Einnahmequellen erschließen und dabei gleichzeitig Ihre Attraktivität für neue Patientengruppen steigern.

 

Um diese Chancen zu nutzen, sollten Sie das ambulante Angebot Ihres Hauses gezielt ausbauen und weiterentwickeln. Prüfen Sie, ob Sie wirklich alle Möglichkeiten zur Erbringung ambulanter Leistungen bereits ausgeschöpft haben. Gibt es Bereiche oder Abrechnungsarten, die Sie übersehen haben? Oder besonderen Bedarf für bestimmte Leistungen in Ihrer Region? Berücksichtigen Sie in Ihrer Ambulanzstrategie auch die Entwicklung von sektorenübergreifenden Versorgungskonzepten und die (Neu-)Ausrichtung der Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärzten und anderen Partnern im Gesundheitswesen.

Potenzial 2

Schärfen Sie mithilfe der Krankenhausstrategie Ihr Leistungsportfolio

Im Zuge der aktuellen Reformbestrebungen gilt heute mehr denn je: Heben Sie sich von Ihrer Konkurrenz ab, um die langfristige Wirtschaftlichkeit Ihres Krankenhauses zu garantieren. Ein attraktives Leistungsportfolio kann dazu beitragen, dass Patienten und Überweiser Ihr Krankenhaus als erste Wahl betrachten. Um Ihre Angebote in diesem Sinne zu optimieren, sollten Sie Ihre Stärken und Schwächen sowie die Bedürfnisse Ihrer Patienten und Partner genau kennen – und zielgerichtet bedienen.

 

»Heben Sie sich von Ihrer Konkurrenz ab, um die langfristige Wirtschaftlichkeit Ihres Krankenhauses zu garantieren.«

Dazu gehört zum Beispiel die Fokussierung auf spezialisierte Fachgebiete oder die Entwicklung von besonderen Behandlungsprogrammen. Auch die Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärzten und anderen Partnern im Gesundheitswesen kann Ihnen dabei helfen, das Leistungsportfolio zu schärfen und Ihr Krankenhaus als attraktive Anlaufstelle für Niedergelassene, Patienten und potenzielle Mitarbeiter zu positionieren. Im Zuge der geplanten Krankenhausreform und einer möglichen künftigen Einstufung in Level und Leistungsgruppen nach dem Vorbild Nordrhein-Westfalens ist es bereits jetzt angezeigt, sich im Hinblick auf die eigenen Strukturen und die Leistungsfähigkeit in den unterschiedlichen Fachbereichen über regional abgestimmte Angebote in Kooperation mit benachbarten Krankenhäusern Gedanken zu machen. Kliniken in NRW wissen durch die eigene Landeskrankenhausplanung bereits genau, wo sie stehen und was die kommenden Veränderungen für sie bedeuten. Für alle anderen wird das ebenfalls ein zentrales strategisches Handlungsfeld werden – und zwar schnell.

Potenzial 3

Steigern Sie Ihre Fallzahlen durch besseres Marketing

Ein weiteres strategisches Potenzial, das in vielen Krankenhäusern ungenutzt bleibt, ist das Marketing. Viele Krankenhäuser vernachlässigen die Vermarktung ihrer Leistungen. Stattdessen setzen sie auf eine passive Strategie und warten darauf, dass die Patienten von selbst kommen. Sie auch? Dann wird es höchste Zeit, zu handeln. Denn in Zeiten zunehmenden Wettbewerbs und Kostendrucks ist es umso wichtiger, Ihre Position am Markt aktiv zu stärken und die Reputation Ihres Krankenhauses zu pflegen.

Der erste Schritt, um dies zu erreichen, ist eine zielgerichtete Marketingstrategie, die auf die Bedürfnisse Ihrer potenziellen Patienten ausgerichtet ist. Dazu gehört natürlich das Bewerben und verständliche Erklären Ihrer medizinischen Leistungen. Denken Sie aber auch daran, dass ein Krankenhausaufenthalt für Patienten ein hochemotionales Thema ist. Der Aufbau von Vertrauen und eines positiven Images kann also kaum früh genug beginnen und sollte in Ihren Marketing-Maßnahmen ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. Gerade für emotionale Themen eignen sich moderne Kommunikationsformen wie Social Media und Online-Marketing.

 

Symbolbild: Gutes Marketing hilft dabei, die Wirtschaftlichkeit im Krankenhaus zu steigern

Schöner Nebeneffekt: Damit erreichen Sie auch noch weitere Zielgruppen. Denn nicht nur die Gewinnung neuer Patienten, sondern auch die Bindung bestehender Patienten ist ein wichtiger Faktor für die Wirtschaftlichkeit Ihres Krankenhauses. Zusätzlich zur hochwertigen Betreuung und Servicequalität bei Ihnen vor Ort können auch diese Patientengruppen durch gezielte Marketing-Maßnahmen stärker an Ihr Krankenhaus gebunden werden, damit sie im Fall der Fälle wiederkommen.

Berücksichtigen Sie in Ihrer Marketingstrategie außer Ihren Patienten aber auch andere Zielgruppen, die für einen reibungslosen und einwandfreien Betrieb Ihres Hauses relevant sind. Das sind allen voran die Mitarbeiter – und zwar Ihre bestehenden und auch potenziell neue. Denn wenn Ihre Maßnahmen fruchten und die Fallzahlen steigen, brauchen Sie ausreichend Personal. Und das bekommen Sie durch wenig Fluktuation im Haus und ein gutes Standing auf dem hart umkämpften Arbeitsmarkt im Gesundheitswesen.

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Potenzial 4

Sichern Sie Ihre Erlöse durch effektives Controlling

Die Finanzierung von Krankenhäusern erfolgt bislang zum Großteil über Fallpauschalen, die sich an der Schwere der Erkrankung und dem damit verbundenen Aufwand orientieren. Dabei ist es wichtig, dass alle erbrachten Leistungen auch korrekt erfasst und abgerechnet werden, um eine angemessene Vergütung zu erhalten. Doch gerade in diesem Bereich kommt es immer wieder zu Fehlern und Unklarheiten, die dazu führen können, dass Sie Ihre wohlverdienten Erlöse gar nicht oder nur zum Teil erhalten. Und das kann langfristig die Krankenhaus-Wirtschaftlichkeit bedrohen.

 

Frau am Computer: Symbolbild Controlling zum Sichern der Erlöse

Mit einem effektiven Krankenhaus-Controlling und einer präzisen Dokumentation Ihrer erbrachten Leistungen stellen Sie sicher, dass Ihre Abrechnung korrekt ist und zu angemessenen Erlösen führt. Darüber hinaus können Sie Ihre Erlössituation über alternative Finanzierungsmodelle verbessern, etwa durch Kooperationen und Partnerschaften mit anderen Krankenhäusern und Leistungserbringern. Hierbei kann es um die gemeinsame Nutzung von Ressourcen oder die Bündelung von Kompetenzen gehen.

Potenzial 5

Steigern Sie die Wirtschaftlichkeit im Krankenhaus durch sinnvolle Ressourcen-Nutzung

Das Management von Verbrauchsmaterialien und Medikamenten ist ein wichtiger Hebel zur Steuerung Ihres Ressourcen-Verbrauchs. Durch effektive Lagerhaltung sowie kluge Beschaffung von Verbrauchsmaterialien und Medikamenten können Sie Kosten sparen und gleichzeitig Ihre Patientenversorgung verbessern. Mit einer optimierten Bestandsverwaltung und Beschaffung legen Sie nämlich die Grundlage dafür, dass Lagerbestände reduziert, Bestellungen schneller bearbeitet und Qualität sowie Verfügbarkeit von Verbrauchsmaterialien und Medikamenten sichergestellt werden.

»Das Management von Verbrauchsmaterialien und Medikamenten ist ein wichtiger Hebel zur Steuerung des Ressourcen-Verbrauchs.«

Ein weiterer Ansatzpunkt zur besseren Ressourcenverwendung ist die Belegungsplanung – konkret: die Bettenauslastung. Mit einer hohen Bettenauslastung steigern Sie nicht nur Ihre Einnahmen, sondern Sie senken auch Ihre Kosten, indem Sie dadurch die (fixen) Betriebskosten pro Patienten reduzieren. Mit einer effektiven Patientensteuerung können Sie Ihre Bettenkapazitäten besser ausnutzen, Wartezeiten reduzieren und die Patientenversorgung insgesamt verbessern.

Fazit: Potenziale heben, um die Wirtschaftlichkeit im Krankenhaus zu verbessern

Die Diskussion um den anstehenden Strukturwandel im Rahmen der geplanten großen Krankenhausreform in Deutschland hat viele Krankenhäuser dazu bewegt, sich strategisch neu auszurichten. Eine Medizinstrategie [Link] kann dazu beitrage, bislang ungenutzte Potenziale wie die hier vorgestellten zu identifizieren und die künftige Ausrichtung und Erlössicherung dahingehend anzupassen.

Datenbasierte Analysen und klinische Strategien können Ihnen dabei helfen, Ihre Potenziale voll auszuschöpfen und sich besser auf künftige Herausforderungen vorzubereiten. Geeignete Instrumente auf dem Weg dahin können die Analyse von Standarddaten, Gespräche mit handelnden Personen sowie Umfeld- und Marktanalysen sein. Im Ergebnis sollten eine SWOT-Analyse stehen, die Stärken und Schwächen aufzeigt, sowie ein klar definierter Maßnahmen- und Umsetzungsplan als Entscheidungsvorlage.

Mit einem systematischen Ansatz, der die verschiedenen Aspekte des Krankenhausbetriebs berücksichtigt, können Sie den Erfolg Ihrer medizinischen Einrichtung langfristig sichern. Und wenn Sie Ihre dabei Ihre ungenutzten Potenziale ausschöpfen, verbessern Sie dadurch nicht nur Ihre Wettbewerbsfähigkeit und die Wirtschaftlichkeit Ihres Krankenhauses – sondern letztlich auch die Versorgung Ihrer Patienten.

Wie liegen Ihre Erfahrungen? Kennen Sie alle Potenziale Ihres Hauses? Und wie beeinflussen die aktuellen Entwicklungen im Kliniksektor Ihre Medizinstrategie? Schreiben Sie mir gerne Ihre Fragen und Anregungen.

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Karen Wismann

Karen Wismann

Geschäftsführerin consus.health

 

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