Blog | Fachbeitrag
01.2024

Hohe Kosten: So können Krankenhäuser ihren Energieverbrauch senken

Auf einem Tablet ist eine Energieverbrauchskurve zu sehen, die nach unten führt.

Krankenhäuser ächzen weiterhin unter den hohen Energiepreisen. Das wird sich voraussichtlich nicht so schnell ändern. Umso wichtiger ist es, alle Energiesparpotenziale im Krankenhaus zu nutzen.

Auch wenn Preisrückgänge auf den Rohstoffmärkten in den vergangenen zwölf Monaten dafür gesorgt haben, dass die Energiekosten wieder gesunken sind, ist die Energiekrise für Krankenhäuser noch immer aktuell. Zum einen sind die finanziellen Löcher, die der starke Energiepreisanstieg ab Ende 2021 in die Klinik-Kassen gerissen hat, noch nicht wieder gestopft. Zum anderen ist ein Absinken der Preise für Strom, Öl und Gas auf das Vorkrisen-Niveau bisher nicht abzusehen.

So bleibt das Thema Energie sparen für Krankenhäuser auch in der jetzigen Heizperiode virulent. Doch nicht nur finanzielle Gründe sprechen dafür, auf den Energieverbrauch im Krankenhaus zu achten und auf größtmögliche Energieeffizienz zu setzen. Krankenhäuser sind als besonders große CO2-Emittenten ebenso in der Verantwortung, ihren Teil dazu beizutragen, die nationalen und europäischen Klimaziele einzuhalten.

Zwar haben viele Kliniken schon zu Beginn der Energiekrise Maßnahmen umgesetzt, doch das Einsparpotenzial ist weiterhin hoch. 30 bis 50 Prozent Energieeinsparung sind in Bereichen der meisten Krankenhäuser mit geringem Aufwand möglich. Mit größeren Investitionen lässt sich noch mehr Energieeffizienz erreichen.

Lüftungsanlagen, Heizung und Kühlung herunterfahren

Es hilft, sich den Grundsatz „Abschalten, was geht“ wieder ins Gedächtnis zu rufen. Denn damit wirken sich viele kleine Maßnahmen auf den Gesamtenergieverbrauch aus. Das Herunterregeln der Heizung um ein bis zwei Grad kann auch in diesem Winter wieder eine geeignete Maßnahme sein, um Energie einzusparen. Das Ausschalten aller Standby-Geräte wie PC, Drucker oder Fernsehgeräte in den Patientenzimmern ist ebenso eine wirksame Maßnahme, die flächendeckend umgesetzt werden sollte.

Zeitweilig ungenutzte Räume oder leere Patientenzimmer müssen nicht beheizt werden. Selbst die OP-Lüftungsanlage kann flexibel hoch- und heruntergefahren werden und so an die Nutzung angepasst werden. Da die OP-Belüftung jedoch an hygienische Bedingungen geknüpft ist, sollte dies in enger Abstimmung mit dem Hygienebeauftragten der Klinik geschehen.

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Hydraulischer Abgleich für sparsame Wärmeerzeugung

Falls noch nicht geschehen, sollte in der Klinik ein hydraulischer Abgleich von einem Heizungsunternehmen durchgeführt werden. Ein hydraulischer Abgleich sorgt dafür, dass in Heizungs- und Kühlanlagen an allen Stellen die richtige Menge an Wasser fließt. Alle Räume werden dadurch gleich warm und kühlere Räume müssen nicht per Thermostat hochgeregelt werden. Der hydraulische Abgleich verursacht zwar zunächst Kosten, ist aber ein wichtiger Schritt in Richtung Energieeffizienz.

Ein Heizungsregler wird heruntergedreht.

LED-Lampen senken den Stromverbrauch

Die Umrüstung der Beleuchtung kann den Stromverbrauch im Krankenhaus erheblich senken. Zwar erfordert der Austausch der Leuchtmittel und der Einsatz von LED-Lampen zunächst eine Investition. Jedoch lohnt sich diese gleich doppelt. Denn erstens sparen LED-Lampen sehr viel Energie ein. Zweitens sinken auch die Wartungskosten, da sie seltener ausgetauscht werden müssen als herkömmliche Glühbirnen. Spätestens wenn die alten Lampen ihren Geist aufgeben, werden wohl ohnehin LED-Lampen zum Einsatz kommen. Denn durch das schrittweise Inkrafttreten von EU-Regeln 2023 wurde der Verkauf von Leuchtstoffröhren und Halogenlampen verboten.

Energiesparen ist eine Gemeinschaftsaufgabe

Je mehr Menschen in einem Krankenhaus Energiesparmaßnahmen umsetzen, desto größer ist der Effekt. So sollten in erster Linie alle Mitarbeiter dafür sensibilisiert werden, Geräte und Licht auszuschalten, wenn sie nicht benötigt werden, sowie Heizungen und Lüftungsanlagen herunterzuregeln, wenn dies möglich ist. Auch Patienten und Besucher können mithelfen, einen Beitrag zum Energiesparen im Krankenhaus zu leisten. Um sie darauf aufmerksam zu machen, können Plakate oder Flyer über die Möglichkeiten der Einsparung – etwa das Ausschalten von Licht bei Verlassen eines Patientenzimmers – informieren.

Investitionen in die Energieeffizienz

Kleine Maßnahmen können einen spürbaren Effekt haben, wenn viele Menschen mitmachen. Noch größere Einspareffekte lassen sich nur durch großflächige Investitionen in die Krankenhausinfrastruktur erzielen. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft fordert einen Klimaschutz-Fonds als zusätzliches Förderprogramm für Krankenhäuser. Bis es dazu kommt, müssen voraussichtlich noch einige dicke Bretter in der Politik gebohrt werden.

Eine schnellere Möglichkeit, eine veraltete technische Infrastruktur mit hohem Energieverbrauch gegen eine energiesparende Lösung auszutauschen, ist das Energiespar-Contracting für Krankenhäuser. Dabei geht eine Klinik einen Vertrag mit einer Contractor-Firma ein, die energiesparende Anlagen einbaut, etwa Heizungs-, Kühl- oder Lüftungstechnik. Bezahlen muss das Krankenhaus diese Investition zunächst nicht. Stattdessen bindet sie sich über einen bestimmten Zeitraum – meist über zehn Jahre – an die Contractor-Firma, die die Anlagen wartet und dafür sorgt, dass sie störungsfrei funktionieren. Über den Zeitraum der Vertragslaufzeit erhält die Contractor-Firma die Summe der eingesparten Energiekosten des Krankenhauses. Nach Ablauf der Laufzeit behält die Klinik die neue Technik und die Einsparungen kommen ihr dann in vollem Umfang zugute. Mit der Wartung kann dann weiterhin die Contractor-Firma oder eine neue Firma beauftragt werden.

Energiesparen bleibt Dauerthema

Es gibt viele Maßnahmen, die Krankenhäuser auch in diesem Winter wieder umsetzen können, um Energie einzusparen. Nicht immer muss dabei gleich der große Hebel angesetzt werden, denn jede einzelne Maßnahme spart Geld und in der Summe kann das schon viel ausmachen. Dennoch sollten sich Klinikgeschäftsführungen auch damit beschäftigen, wie sie in Zukunft die erforderlichen Investitionen für energieeffiziente Infrastruktur und Technik in der Klinik stemmen können. Denn auch das Thema Klimaschutz wird weiter auf der Tagesordnung bleiben. Und hier warten noch viele Hausaufgaben auf die Klinikbranche.

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Christoph Böcker

Christoph Böcker

Senior-Experte Betriebstechnik

 

Christoph Böcker verfügt über langjährige Erfahrung in Bereichen wie Technisches Facility Management, Technische Gebäudeausrüstung sowie Klinikneubau und -umbau, die er unter anderem bei einem großen Baukonzern und einer privaten Klinikgruppe sammelte. Nach einem Studium Technisches Gesundheitswesen mit der Fachrichtung Krankenhausbetriebstechnik absolvierte er ein berufsbegleitendes Fernstudium zum Diplom-Wirtschaftsingenieur.

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